Das war also nun Ägypten. Wüste soweit das Auge reichte! Nie zuvor  

hatte ich so viel Sand auf einmal gesehen. Doch als wir das Flugzeug verließen, war es weniger heiß als gedacht. Die Hitze war hier irgendwie trockener als in Deutschland und bereitete mir zu meinem Wunder fast gar keine Probleme. Aber es gab sowieso keine Zeit zum Jammern, schließlich wartete eine Hochzeit und damit ein strammes Programm auf uns.  

 

                                                                                             

                                                                                                                                                                                                                   

                                                                                                          

 

 

 

Nach unserer Ankunft gönnte man uns keine Verschnaufpause, da der traditionelle Henna-Abend anstand. Meine Schwester würde morgen nämlich heiraten. Die Frauen blieben unter sich und meine Schwester wurde liebevoll dazu "gezwungen" mehre Kostüme anzuprobieren, um sich anschließend vor der versammelten Mannschaft zu präsentieren, während man mir ein kunstvolles Henna-Tattoo auf den Fuß pinselte. Am nächsten Tag stand dann die die Hochzeit an, die ich rückblickend als etwa 10 Stunden Warten (darauf, dass etwas passiert), 5 Stunden Hektik (da nun alles passierte) und 4 Stunden Feiern (inklusive Tanzen, Trom-meln, Singen und Essen) beschreiben kann. Ich gebe zu, hierbei ist mir zum ersten Mal wirklich bewusst geworden wie "deutsch" ich doch bin, denn an die extreme Lautstärke und die ausgelassene Stimmung musste ich mich wirklich erst gewöhnen :D :D :D :D

 

 

 

Blick über Kairo 

Die nächsten Tage verliefen dann wieder etwas ruhiger. Etwas zu ruhig für meinen Geschmack. Denn meine Haupttätigkeit bestand daraus in der Wohnung meiner Schwester rumzusitzen und darauf zu warten, dass etwas passierte. Denn die äqyptische Familie hatte Angst uns alleine etwas unternehmen zu lassen. Leider gehört auch das zu Kairo, die Stadt ist nicht ganz ungefährlich und insbesondere Frauen gelten in vielen Stadtteilen als leichte Beute. Da es in Kairo kaum (mehr) Tourismus gibt werden Touristen oftmals als wandelnde Geldbeutel betrachtet. Das musste ich vielerorts leider feststellen. 

 

                     

                                     

 

 

                                                                                                                                                Dieses Foto hätte meinen Vater fast 100                                                                                                                                                             Euro gekostet

Ein besonders krasses Beispiel für diese Mentalität begegnete uns bei unserem (natürlich obligatorischen) Besuch der Pyramiden von Giseh. Die Pyramiden hatte ich mir zwar wesentlich größer vorgestellt, aber dennoch fand ich sie extrem beeindruckend. Man konnte hier quasi das alte Ägypten hautnah spüren. Beim Anblick der alten Tempel und der Sphinx bekam ich sogar richtige Gänsehaut! Daher war ich auch sehr froh, als ein älterer Herr, der dort als Guide tätig war, anbot, uns ein bisschen herumzuführen. Natürlich waren wir zunächst skeptisch, aber nach einem Blick auf sein Namensschild teilte uns der Mann meiner Schwester mit, dass der Herr für den offiziellen Tourimusverband zu arbeiten schien und demnach keine Touristen abzocken würde. Zu Beginn lief auch alles gut, der Mann war freundlich, führte uns zwar etwas zu schnell, aber dafür sehr informativ durch das Areal und machte sogar einige Fotos von uns vor der spektakulären Kulisse, doch als wir am Ende der Tour angekommen waren, zeigt er leider ein anderes Gesicht. Mein Vater wollte ihm ein paar Euro Trinkgeld geben, was durchaus angebracht war, aber der Herr nannte ihm einen extrem hohen Preis für seine Dienste und hörte nicht mehr auf zu diskutieren. Alle fühlten sich plötzlich extrem unwohl mit der gesamten Situation und das schöne Erlebnis bekam leider einer sehr faden Beigeschmack. Die Diskussion dauerte weitaus länger als unsere Führung und hörte erst auf, als mein Vater die doppelte Summe zahlte. 

 

 

 

Chillin´ like a boss 

Ich möchte betonen, dass ich mich in der ägyptischen Familie immer sehr wohlgefühlt habe. Es sind alles sehr liebe Menschen, die wirklich unglaublich gastfreundlich sind und von denen sich die Deutschen in dieser Hinsicht eindeutig eine Scheibe abschneiden sollten! Dennoch habe ich mich gleichzeitig noch nie in einem Land so "ausgenommen" gefühlt. Viele Leute waren leider nur freundlich zu mir, wenn sie mein Geld wollten. In diesem Maße ist mir das bisher in keinem anderen Land begegnet. Als Fazit meiner Ägyptenreise kann ich sagen, dass Ägypten ein Land ist, das viele Probleme hat, aber gleichzeitig auch ein unglaubliches Potential. Ich hoffe sehr, dass dieses Land eines Tages seine Chance wahrnehmen wird, denn auch wenn ich nicht nur gute Erfahrungen gemacht habe, ist es dennoch ein sehr vielfältiges Land mit einer reichen Historie, einer interessanten Kultur und vielen, lieben Leute und daher möchte ich meine gemachten Erfahrungen keineswegs missen! 

Polatus mela com est: