Was du von deinem Baltikum-Trip (nicht) erwarten kannst

1. "Reden ist Silber, Schweigen ist Gold"

Ausnahmen bestätigen die Regel, aber im Allgemeinen sind Esten, Letten, Litauer (vor allem Esten) eher von der ruhigen Sorte. Ich habe eine sehr nette und offene estnische Freundin, die ich auf der Arbeit traf, doch außer ihr hat mich während meiner gesamten Zeit in Estland nie ein Este (zumindest im nüchternen Zustand) angesprochen, was auch durchaus positiv sein kann, wenn man seine Ruhe haben will. Im angetrunkenen Zustand vollführen die Esten jedoch gerne eine 180 Grad Drehung und mutieren plötzlich zu partybegeisterten Aufreißern, was manchmal lustig, ab und an aber auch sehr nervig sein kann. Sogar Esten, die ich im Ausland traf (z.B. in Österreich) bestätigten meinen Eindruck. O-Ton eines estnischen Musikers in Salzburg: "Estonian people are so difficult. They are too closed!"

  

 

2. Service? Was ist das?

Gewöhn dich daran, dass es keinen Service gibt. Insbesondere in Estland wird fast immer vor dem Platz nehmen bestellt, d.h. wenn du z.B. in ein Café gehst, wartest du nicht etwa auf die Bedienung, sondern bestellts direkt vorne am Tresen und bekommst dein Essen auch meist sofort mit. Das hat auch positive Seiten, so kann man zumindest in Ruhe seinen Kaffee trinken und wird von keinen "übermotivierten" Kellnern belästigt, jedoch kann es schwierig werden, wenn man ein Medikament in der Apotheke sucht und die Apothekerin dir weder hilft das richtige Präparat zu finden, noch die richtige Anwendung erläutert ;P .

 

 

3. Estland-Island Verwechslung und andere Kommentare

Für mich eine leider fast schon klassische Situation. Ich sitze mit ein paar Leuten zusammen, erzähle von meiner Reise nach Estland und werde Sachen gefragt wie "Und warst du auch bei diesem einem Vulkan?", "Wie sehen denn Island-Ponys aus?" Zugegeben, Estland klingt schon ähnlich wie Island, aber ist es wirklich so viel verwunderlicher nach Estland als nach Island zu gehen? Leider ja, denn für viele Menschen ist das Land ein weißer Fleck auf der Weltkarte. Als mich meine Schüler im Unterricht gefragt haben, was die Deutschen über die Esten denken würden, musste ich zugeben, dass ich noch nie einen Deutschen über das Land reden gehört habe. Das ist wirklich schade und ich hoffe, dass meine Artikel auch dazu beitragen können "europäischen Exoten" wie Estland, Litauen und Lettland ins Blickfeld reisebegeisterter Menschen zu rücken. 

 

 

4. Stille

 

 

5. Natur 

 

 

6. Ziemlich coole Städte

Die baltischen Städte zeichnen sich durch einen tollen Mix von Geschichte, Moderne und kreativer Aufbruchstimmung aus. Wobei Tallinn und Riga definitiv die beliebtesten Reiseziele im Baltikum sind und die Touristen mit ihren mittelaterlichen Altstädten verzaubern. Vilnius hingegen wirkt oft wie unbeliebte Schwester und zieht weit weniger Touristen an, was ich absolut nicht nachvollziehen kann, da Litauens Hauptstadt sofort zu meinem Favoriten mutiert ist! Im Gegensatz zum touristisch aufgehübschten Tallinn und dem in manchen Teilen sehr "Hipsterlastigem" Riga ist Vilnius selbst in den touristischen Ecken immer authentisch und hat einen total kreativen Spirit, denn man erst spürt, wenn man vor Ort ist. Für mich ist Vilnius definitiv die kreativste Stadt mit der coolsten Szene und den verrücktesten Leuten. Tendenziell habe ich auch ganz Litauen als etwas offener empfunden, aber das ist nur mein persönlicher Eindruck. 

 

 

7. Ostblock-Charme

Ja, es gibt ihn noch, den berühmten Ostblock-Charme. Begenen wird er dir vor allem, wenn du dich abseits der Touristenpfade bewegst und z.b. nicht nur die Tallinner Altstadt besuchst (und dann wie so viele behaupten, glaubst die Stadt zu kennen) sondern z.B. auch mal einen Abstecher nach Lasnamäe unternimmst. Zugegeben, der aus Hochhäusern bestehende Stadtteil passt nicht wirklich in den netten Reiseführer, ist jedoch zumindest authentisch. 

Von Riga mit dem Bus kommend, sah mein erster Eindruck von Vilnius übrigens in etwa so aus

  

 

8. Besondere Sprachen

Herr der Ringe? Game of Thrones? Wenn man zum ersten Mal die baltischen Sprachen hört, klingen sie für manch einen wie eine Fantasiesprache aus einem Fantasy Film. Dabei darf ich hier natürlich nicht alle 3 Sprachen in einen Topf werfen, denn Estnisch ist gar nicht (also so wirklich überhaupt nicht) mit Litauisch und Lettisch verwand, sondern gehört zur finnougrischen Sprachfamilie. Lettisch und Litauisch gehören beide zur Gruppe der ostbaltischen Sprachen, sind jedoch hingegen der weitläufigen Meinung nicht mit dem Russischen verwand. Eine litauische Freundin sagte mir sogar, dass Litauisch und Sanskrit näher verwandt wären als Litauisch und Russisch. Keine Ahnung, ob das stimmt, aber es klang in meinen Ohren sehr plausibel. 

 

 

9. Kuriositäten

Eine Kuriosität muss ich unbedingt mit euch teilen! In Lettland und Litauen werden die Namen von Promis, Stars etc. geändert und in die jeweilige Sprache eingemeindet. So heißt Brad Pit auf Lettisch Breds Pits und auf Litauisch Bradas Pittas.

 

 

10. Preise sinken von Nord nach Süd

 Entgegen vieler Vorstellungen ist das Baltikum, obwohl im Osten Europas gelegen, nicht "spottbillig". Insbesondere in den Touristengebieten von Tallinn herrscht fast schon skandinavisches Preisniveau, was vermutlich viele Esten gerne höher, da sie sich Europas Norden oftmals mehr verbunden fühlen als dem Osten. Um hier günstig einkaufen zu können, solltest du auf jeden Fall entweder auf den regionalen Märkten oder in den Einkaufszentren außerhalb des Zentrums (z.B. im Kristiine Shopping Centre) einkaufen. Generell gilt meiner Erfahrung nach, dass je weiter man in den Süden fährt, desto deutlicher die Preise sinken. Vilnius ist mit Abstand die günstigste der drei Hauptstädte. Die Preise sinken, die Offenheit der Menschen steigt. In Litauen wurde ich tatsächlich von einem nüchternen! Litauer angesprochen, als wir beide denselben Club suchten. Nachdem wir ihn schließlich gemeinsam gefunden hatten, haben wir uns den ganzen Abend über noch nett unterhalten und das (fast) ohne Alkohol. ;) 

 

 

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